Strom in der Schweiz

Die Schweiz erzeugte bisher ihren Strom im Jahresdurchschnitt zu 40% mit Kernkraftwerken und zu 55 % mit Wasserkraft. Kehrichtverbrennungsanlagen tragen rund 4% zur heimischen Stromproduktion bei. Neue erneuerbare Energien wie Photovoltaik und Windenergie spielen bislang mit gut 1% Anteil eine untergeordnete Rolle.

 

Die bedeutendsten Pfeiler der Stromerzeugung in der Schweiz im Jahr 2010. Quelle: VSE/BfE

Die bedeutendsten Pfeiler der Stromerzeugung in der Schweiz im Jahr 2010. Quelle: VSE/BfE

 

Der Stromverbrauch schwankt im Verlaufe eines Tages stark. Die Produktion muss sich dabei ständig dem Verbrauch anpassen, damit das Stromverteilnetz nicht zusammenbricht. Dies macht die Netzregulierung zu einer äusserst anspruchsvollen Aufgabe. Strom lässt sich zudem nicht direkt speichern. Die bislang einzige indirekte Möglichkeit dazu sind die Pumpspeicherkraftwerke in Stauseen. Um die unregelmässigen Verbrauchsspitzen abzudecken, ist Wasserkraft aus Stauseen ideal. Der Wasserzufluss auf die Turbinen lässt sich wie ein Wasserhahn leicht an- und abstellen. Für die sogenannte Grundlast, die grosse Menge an Strom, die tags und nachts gleichmässig bezogen wird, eignen sich Flusskraftwerke und Kernkraftwerke, die sogenannte Bandenergie erzeugen. Dabei sind die Kernkraftwerke die zuverlässigsten Lieferanten, da sie wetterunabhängig rund um die Uhr Strom bereitstellen können, nicht zuletzt auch für die Pumpspeicherung. Flusskraft, Speicherkraft und Kernenergie ergänzen sich optimal. Für die Schweiz ist diese Kombination ein Glücksfall, der eine sichere, wirtschaftliche und umweltfreundliche Stromversorgung garantiert.

 

Mit der neuen Energiepolitik des Bundes soll der Anteil der sogenannt neuen erneuerbaren Energien wie Wind und Sonne an der Landesproduktion dank staatlicher Subventionen auf 20 % wachsen. Dies ist eine grosse Herausforderung, scheint doch die Sonne gerade im Winter am wenigstens, wenn der Strombedarf am höchsten ist. So scheint z.B. im nebelverhangenen Mittelland die Sonne manchmal sogar weniger als 20 Stunden im Monat. An den Südhängen in Alpen ist die Sonnenscheindauer ein Mehrfaches. Aber es reicht trotzdem nicht. Im Sommer hingegen kann der Sonnenstrom nur mit zusätzlichen Pumpspeicherkraftwerken gespeichert werden. Und auch der Wind ist hierzulande ein sehr unzuverlässiger Stromlieferant.

 

Zusätzliche grosse Flusskraftwerke lassen sich auf den bereits intensiv genutzten Schweizer Flüssen und auch aufgrund der heutigen Restwasservorschriften nicht bauen. Das Potenzial ist praktisch ausgeschöpft. Es gibt zwar gut 500 Kleinwasserkraftwerkprojekte, die aber von Fischern und Umweltschützern bekämpft werden. Will man dem Vorschlag des Bundesrates folgen und die Kernenergie ersetzen sowie zusätzlich 4 TWh Wasserkraftstrom produzieren, so müsste einerseits das Beschwerderecht eingeschränkt werden. Andererseits könnten nur Gas- oder Kohlekraftwerke die Kernenergie in der Grundlast ersetzen – wie dies Deutschland plant. Diese zwei Technologien stossen aber riesige Mengen an klimaschädigendem CO2 aus. Solche Anlagen sind nicht mit den Klimazielen der Schweiz vereinbar.

 

Nukl - Stromproduktion im Tagesverlauf

Die Stromproduktion während eines Tages muss sich nach dem Verbrauch der Kunden richten

 

Auch über das Jahr decken sich Produktion und Verbrauch selten, sodass wir saisonal Strom exportieren oder importieren. Das hält sich zurzeit knapp die Waage, wobei die Bilanz tendenziell negativ ist – die Schweiz ist dabei, ein Importland zu werden. Im Sommer kann dank der Schneeschmelze und viel Niederschlag Strom aus Wasserkraft exportiert werden. Im Winter, wenn die Wasserstände in den Gewässer tief sind, wird deutlich mehr Strom verbraucht als im Sommer. Dann decken die Kernkraftwerke bis zu 60 % des Landesbedarfs. Zudem wird aus Kernkraftwerken in Frankreich eine beträchtliche Menge benötigter Strom importiert – knapp noch ein Mal die Menge, die die Schweizer KKW bereits erzeugen.

 

Nukl - Stromproduktion und verbrauch

 

Mehr zum Schweizer Strommix und den verschiedenen Stromerzeugungstechnologien erfahren Sie unter: http://www.bfe.admin.ch/themen/index.html?lang=de