Kernenergie in der Schweiz

Seit über 40 Jahren betreibt die Schweiz Kernkraftwerke. Der erste und einzige einheimische Schwerwasserreaktor mit Natururan wurde in Lucens in einer Felskaverne gebaut. Nach dem Unfall mit Kernschmelze im Januar 1969, der dank der Kaverne keinerlei Auswirkungen auf die Umgebung hatte.

 

Seither nutzt die Schweiz Kernkraft an vier Standorten im Mittelland. Die Werke befinden sich alle an Flüssen, welche die Versorgung mit genügend Kühlwasser garantieren.

 

Sie laufen seit ihrer Inbetriebnahme zuverlässig und wurden im Laufe der Jahre ständig erneuert und modernisiert. Die Anlagen stehen unter der Aufsicht des Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorats (ENSI). Es überprüft die Anlagen jährlich auf ihre Sicherheit.

 

Besuchen Sie ein Kernkraftwerk!

Sie werden staunen, wie spannend und eindrücklich das ist. Lassen Sie sich die Anlage von den kompetenten Besucherführerinnen von Frau zu Frau erklären und stellen sie alle Fragen, die Sie rund um Kernenergie beschäftigen. Informationen zu Führungen erhalten Sie auf den Webseiten der jeweiligen Anlagen.

 

Wem gehören die Schweizer Kernkraftwerke?

Alle fünf Anlagen sind zum grössten Teil in öffentlichem Besitz. Sie gehören Stromunternehmen wie Axpo, Alpiq, BKW, CKW, SBB und anderen kleineren Gesellschaften, die wiederum den Kantonen und kantonalen Elektrizitätswerken gehören und somit dem Volk. Die Kantone haben denn auch mit den Stromunternehmen Lieferverträge zu langfristig garantierten und Preisen. Sie sind im europäischen Vergleich sehr tief. Denn dank den Kernkraftwerken und alten, weitgehend amortisierten Wasserkraftwerken ist der Strom in der Schweiz so günstig. Dies kommt den Haushalten, den KMU, den Dienstleistungsunternehmen sowie der Industrie zugute, insbesondere auch jenen Betrieben, die bei exportorientierter Produktion im Markt bestehen müssen.

 

Weitere Kernanlagen in der Schweiz:

  • Forschungsreaktoren an den Universitäten von Basel und Lausanne,
  • Kernforschungsinstitut: Paul Scherrer Institut PSI, 5404 Villigen
  • Zwischenlager ZWILAG, 5303 Würenlingen.

Wie funktioniert ein Kernkraftwerk?

Ein Kernkraftwerk ist ein sogenanntes „thermisches" Kraftwerk: Die Wärme aus der kontrollierten Kernspaltung erhitzt Wasser, bis es verdampft. Der Dampf wird auf Turbinen geleitet und treibt sie an wie der Wind ein Windrad. Dadurch drehen sich die Turbinen und mit ihnen der Stromgenerator, mit dem sie starr verbunden sind. Der Generator erzeugt durch diese Drehung Strom, nach demselben Prinzip wie ein Fahrraddynamo.

 

Nukl - Wie funktioniert ein Kernkraftwerk

Funktionsprinzip eines Kernkraftwerks am Beispiel eines Druckwasserreaktors.

 

Quelle: http://energiedialog.axpo.com/

 

Im Gegensatz zu anderen thermischen Kraftwerken wie Gas-, Öl- oder Kohlekraftwerken wird bei der nuklearen Stromerzeugung aber nichts verbrannt, um Wärme zu erzeugen. Deshalb hat ein Kernkraftwerk praktisch keine Emissionen. Luft und Wasser um ein KKW bleiben sauber. Es wird kein klimaschädigendes Treibhausgas ausgestossen. Mehr darüber hier: Nachhaltige Entwicklung

 

Mühleberg und Leibstadt sind sogenannte Siedewasserreaktoren, Beznau und Gösgen Druckwasserreaktoren. Beide Technologien sind weltweit verbreitet und bewährt. Schauen Sie einer Kernspaltung zu oder gehen Sie auf eine virtuelle Entdeckungsreise durch einen solchen Reaktor! Spannende, detaillierte und anschauliche Informationen finden Sie hier: http://www.kernenergie.ch/de/kurzinformation.html

 

Die Leistung der Kernkraftwerke

Ein Kernkraftwerk ist in der Regel rund um die Uhr in Betrieb. Es kann die installierte Leistung (z.B. 1165 Megawatt) sozusagen über das ganze Jahr voll ausschöpfen. Das bedeutet, dass ein KKW wie Leibstadt in einem Jahr gut 9 Millionen Megawattstunden Strom erzeugt. Das ist Strom für über eine Million Menschen oder rund 15 Prozent der Schweiz!

 

Was wir oft vergessen: Ein Flusskraftwerk oder ein Speichersee mit einer vergleichbar grossen installierten Leistung, wie z.B. die Grande Dixence, erzeugt weniger Strom als ein Kernkraftwerk. Nach wenigen Wochen wäre jeder Speichersee leer, würde man das Wasser voll laufen lassen und die ganze Leistung abrufen. Bei einem Flusskraftwerk schwankt die Produktion stark nach saisonalem Wasserpegel. So erzeugt beispielsweise das moderne Flusskraftwerk Rheinfelden bei 100 MW installierter Leistung 600 Mio. kWh Strom pro Jahr.

 

Bei Windkraft oder Photovoltaik ist der Ertrag pro installiertem MW Leistung noch viel kleiner als bei Wasserkraft, da die Sonne nicht 24 Stunden am Tag scheint und im Winter sehr schwach ist. Unter den gegebenen geophysikalischen Rahmenbedingungen lässt sich pro installiertem MW photovoltaischer Leistung rund 7 bis 8 Mal weniger Strom erzeugen als mit Kernenergie. Auch ist die Schweiz ein sehr windarmes Land. Knapp 2500 modernste Windgeneratoren vom Typ Peuchapatte im Kanton Jura wären an weiteren optimalen Lagen nötig, um beispielsweise die Produktion des KKW Leibstadt zu ersetzen. So kommt die Kernenergie im Gegensatz zu Wind- und Sonnenstrom in der Schweiz ohne Subventionen aus. Dank den Erträgen aus Kernenergie kann es sich die Schweiz sogar leisten, die Entwicklung der neuen erneuerbaren Energien quer zu subventionieren.

 

Ralph Eichler, Präsident der ETH Zürich, bringt es auf den Punkt: «Um 1,2 GW Nennleistung aus den Kernkraftwerken Beznau und Mühleberg zu ersetzen, bräuchten wir 600 riesige Windturbinen von je 5 MW Leistung. Oder wir müssten während 10 Jahren jeden Tag 600 Meter Autobahnfläche mit Solarzellen bestücken. Zugleich wären 20'000 Batterien in der Grösse eines Schiffscontainers notwendig, um Energie für die Zeiten mit wenig Sonnenstrahlung zu speichern.»